Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 60 Jahren

2. Oktober 2025

02.10.1965:
SC Tasmania 1900 –
Hannover 96 1:5 (1:3)

+++ Sechste Tas-Niederlage in Folge +++ Zeh bringt Neuköllner früh in Führung +++ Zur Pause trotzdem schon klar im Rückstand +++ Tasmania weiter Schlusslicht – aber nicht aussichtslos

Die Ausgangssituation

Zu Gast im Olympiastadion war am heutigen 02. Oktober 1965 die Mannschaft von Hannover 96. Der Verein aus der niedersächsischen Landeshauptstadt hatte zwar 1938 und 1954 die Deutsche Meisterschaft sowie Anfang der 60er Jahre dreimal die nationale Amateurmeisterschaft gewonnen – trotzdem hatte man bei der Ermittlung der 16 Plätze in der 1963 erstmals ausgetragenen Bundesliga gegenüber Eintracht Braunschweig den Kürzeren gezogen. So waren die 96er erst 1964/65 als Aufsteiger dabei, erreichten aber auf Anhieb einen respektablen 5. Platz. Auch 1965/66 gelang den „Roten“ ein guter Start, als sechstplatziertes Team kam man am 7. Spieltag ins Berliner Olympiastadion.

Zehs frühe Führung ohne Wirkung

Die langsam abebbende Euphorie in Berlin ließ sich an diesem Nachmittag an der bislang geringsten Besucherzahl in der Arena erkennen. Die Fans aber hatten zunächst Grund zum Jubeln, denn „Atze“ Becker hatte Lothar Zeh auf die Reise geschickt, der sich auch von der hartnäckigen Verfolgung durch Bena nicht beirren ließ und zum 1:0 für Tas traf. Ausgerechnet der 22-jährige Stürmer also, der zuvor nur beim 0:5 in Mönchengladbach aufgestellt worden war – doch die Freude sollte nur eine gute Viertelstunde währen. Dann nahm der rabenschwarze Tag für Tas-Torwart Heinz Rohloff seinen Lauf, der diesmal wieder Klaus Basikow ersetzte. Erst ließ „Jumbo“ zweimal den „regennassen Ball“ („Kicker“) abprallen, was Siemensmeyer und Bena zu Toren nutzen konnten – dann lenkte er eine Flanke von Rodekamp ins eigene Tor. Damit war Tas zur Pause praktisch schon (wieder) auf der Verliererstraße, und Kapitän Becker spendete seinem entnervten Torwart auf dem Gang in die Kabine Trost.

Tas chancenlos nach der Pause

„Hannover wäre aber auch ohne Rohloffs Schwächen zum Sieg gekommen. Die Niedersachsen beherrschten Ball und Gegner eindeutig“, schrieb der „Kicker“ zu diesem Spiel. Die Gäste zeigten das im zweiten Durchgang, in dem sie kaum etwas zuließen und noch zweimal „kaltblütig“ nachlegten. „Trotz der neuen Niederlage wollen wir die Flinte nicht ins Korn werfen. Meine Mannschaft war zu Beginn gut eingestellt, doch Torwartfehler warfen uns aussichtslos zurück“, resümierte Trainer Franz Linken im Anschluss. Neben Rohloff enttäuschten dem „Kicker“ zu Folge auch Peter Engler und Ingo Usbeck („sonst Tasmanias beste Stürmer, schwach wie nie“) sowie Becker („Form bedenklich rückläufig“) trotz seiner Torvorlage.

Trübe Aussichten

Erst am 25. Spieltag sollte Tas überhaupt erst wieder einmal in einem Spiel in Führung gehen. Am Tabellenende aber war die Lage nach dem 7. Spieltag immer noch nicht aussichtslos – mit dem KSC und Schalke lagen sogar zwei Mannschaften noch ohne Sieg punktgleich vor den Neuköllnern, auch der Meidericher SV (heute MSV Duisburg) hatte nur einen Zähler mehr. Dennoch schrieb Günter Wiese nach dem 1:5 gegen 96 im „Kicker“: „Die sechste Niederlage in Reihenfolge dürfte Tasmanias Gefolgschaft weiter zusammenschmelzen lassen. Berlin hat bisher viel Geduld mit seinem Bundesliga-Klub bewiesen. Man scheut sich immer noch, die Tasmanen wegen ihrer Erfolglosigkeit kaltherzig zu verdonnern.“

Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 7. Spieltag
Anstoß: Samstag, 02.10.1965, 15 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 25.000
Schiedsrichter: Gerd Siepe (Attendorn)

Tasmania: Rohloff – Fiebach, Talaszus – Bäsler, Peschke, Meißel – Engler, Becker, Zeh, Szymaniak, Usbeck. Trainer: Linken
Hannover: Podlasly – Steinwedel, Bohnsack – Mittrowski, Laszig, Bena – Heiser, Siemensmeyer, Rodekamp, Nix, Bandura. Trainer: Kronsbein

Tore: 1:0 Zeh (7.), 1:1 Siemensmeyer (24.), 1:2 Bena (37.), 1:3 Rodekamp (44.), 1:4 Rodekamp (70.), 1:5 Heiser (76.)

Tasmania nach dem 7. Spieltag: 18. Platz, 2:12 Punkte, 6:26 Tore – 1 Sieg, 0 Unentschieden, 6 Niederlagen

Quellen: fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), Kicker