18.09.1965:
1.FC Nürnberg –
SC Tasmania 1900 7:2 (3:2)
+++ Fünfte Niederlage in Folge +++ Tasmania kann Brungs nicht bremsen +++ Neuköllner (nur) bis zur Pause auf Augenhöhe +++ Usbeck vergibt Strafstoß
Die Ausgangssituation
Der 1. FC Nürnberg war seinerzeit deutscher Rekordmeister mit acht Titeln – allein sechs davon wurden vor dem 2. Weltkrieg errungen. Zuletzt hatte der „Club“ 1961 die Trophäe errungen – später waren die Franken noch zum neunten Mal 1968 erfolgreich. Dabei brachten sie das historische „Kunststück“ fertig, als einziger amtierender Meister in der Folgesaison abzusteigen. Trotzdem blieb der FCN insgesamt über 62 Jahre Rekordmeister – ehe Bayern München ihn mit seinem zehnten Titel 1986 übertraf und bis heute den Spitzenwert an Meisterschaften (aktuell 34) hält. In der Vorsaison hatten die Nürnberger den 6. Platz belegt, aber 1965/66 einen schlechten Start erwischt. Nach nur einem Sieg aus fünf Partien waren sie auf Platz 15 nur einen Zähler besser als der SC Tasmania 1900. Am Ende der Spielzeit stand man aber wieder auf Rang 6, sogar mit sieben Punkten mehr als in der Vorsaison.
Wilde erste 45 Minuten
Die erste Halbzeit sollte einen offenen Schlagabtausch mit sich bringen – zunächst aber ging es noch verhältnismäßig bedächtig zu. Die auf acht Positionen im Vergleich zur Vorwoche (0:3-Niederlage in Neunkirchen) veränderte Clubmannschaft ging dann aber in Führung, als ein abgeprallter Schuss von Bast durch Brungs im Neuköllner Tor untergebracht wurde. Doch wer dachte, das Schicksal Tasmanias würde nun seinen Lauf nehmen, sah sich getäuscht. Bei Wolfgang Neumanns Ausgleichstor war sogar einmal etwas Glück im Spiel, denn ein Schuss des Stürmers wurde von Leupolds Kopf noch abgefälscht. Doch schon im Gegenzug düpierte Reisch mit einem Gewaltschuss aus 30 Metern Tasmanias Keeper Klaus Basikow, der in der Situation nicht gut aussah. Kurz darauf tauchte Flachenecker frei vor dem Kasten der Berliner auf und erhöhte sogar auf 3:1 – doch Tasmania war immer noch nicht „erledigt“. Allerdings ließ Ingo Usbeck die Riesenchance auf den schnellen Anschlusstreffer aus, als er mit einem Foulelfmeter, den Reisch an Peter Engler verursacht hatte, an FCN-Torwart Toth scheiterte. Das sollte Tas-Trainer Franz Linken noch nach Abpfiff übel aufstoßen (s. unten in diesem Beitrag) – hinderte den Fehlschützen aber kurz vor der Pause nicht daran, den Nürnberger Torsteher aus dem Spiel heraus mit einem Schuss doch noch zu überwinden. Es blieb zur Halbzeit dann beim 3:2 – doch mancher mag sich später gefragt haben: was, wenn es aufgrund eines verwandelten Strafstoßes 3:3 gestanden hätte?
Tas geht die Puste aus
Das Ganze muss allerdngs eine Spekulation bleiben, denn nach der Pause wurde es einseitig. Und das auch, weil Tasmania – wie die Beobachter etwa des „Kicker“ festhielten – „noch immer keine Luft für 90 Minuten besitzt.“ FCN-Stürmer Brungs, wegen seiner speziellen Fähigkeiten in der Luft auch „Goldköpfchen“ genannt, legte jedenfalls nach dem Wechsel allein noch drei Treffer auf verschiedenste Weise nach. Auch Flachenecker trug sich ein zweites Mal in die Schützenliste ein, als er nach einer Faustabwehr Basikows zur Stelle war – Allemann und Strehl trafen dazu noch jeweils den Pfosten. „Tasmania hat in dieser Form keine Chancen. Das ist alles zu bieder“, war letztlich das ernüchternde Fazit des „Kicker“ zum Auftritt der Neuköllner beim (damaligen) Rekordmeister.
Trainer Linken angefressen
Während FCN-Coach Jenö Csaknady sich nach Abpfiff etwas herablassend über „Tas“ äußerte („Die Berliner waren ein ganz netter Gegner. In der 2. Halbzeit ließen sie stark nach.“), war Franz Linken entsprechend angefressen: „Drei oder vier Tore waren vermeidbar. Sie entsprangen Fehlern unseres Torhüters“, kritisierte der Trainer besonders Schlussmann Basikow schonungslos. Ausgerechnet einer der Torschützen bekam dazu aus einem anderen Grund sein Fett weg: „Eine Disziplinlosigkeit von Usbeck, dass er den Elfmeter schoß (sic!). Konieczka war eingeteilt“, schimpfte Linken nach Abpfiff.
Spieldaten
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 6. Spieltag
Anstoß: Samstag, 18.09.1965, 16 Uhr
Stadion: Städtisches Stadion, Nürnberg
Zuschauer: 14.000
Schiedsrichter: Karl Niemeyer (Bad Godesberg)
Nürnberg: Toth – Leupold, Hilpert – Reisch, Wenauer, Wild – Allemann, Brungs, Strehl, Flachenecker, Bast. Trainer: Csaknady
Tasmania: Basikow – Fiebach, Talaszus – Szymaniak, Bäsler, Becker – Neumann, Engler, Usbeck, Konieczka, Sand. Trainer: Linken
Tore: 1:0 Brungs (16.), 1:1 Neumann (27.), 2:1 Reisch (28.), 3:1 Flachenecker (32.), 3:2 Usbeck (43.), 4:2 Brungs (54.), 5:2 Flachenecker (63.), 6:2 Brungs (76.), 7:2 Brungs (85.)
Besonderes Vorkommnis: Toth hält Foulelfmeter von Usbeck (35.)
Tasmania nach dem 6. Spieltag: 18. Platz, 2:10 Punkte, 5:21 Tore – 1 Sieg, 0 Unentschieden, 5 Niederlagen
Quelle: fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), kicker.de



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