Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 60 Jahren

21. Mai 2026

21. Mai 1966

SC Tasmania 1900 –

Bor. Neunkirchen 2:1 (1:1)

Der vorletzte Spieltag der Saison 1965/66 führte die beiden Kellerkinder zusammen. Für den SC Tasmania 1900 stand dabei der Abstieg bereits fest – die Aussichten von Borussia Neunkirchen nach dem 0:2 auf Schalke am Spieltag zuvor waren allerdings auch nur noch theoretischer Natur. Zwei Partien vor Saisonende trennten die Saarländer jedenfalls vier Punkte vom rettenden Ufer bzw. Karlsruher SC.

Zeh trifft – 1:1 zur Pause

Dennoch ging die Borussia in der Anfangsphase der Partie forsch ans Werk, kam zu zwei Torgelegenheiten. Doch der Gastgeber war es, der in Führung ging: nach einem Einwurf von Wolfgang Neumann war Wolfgang Rosenfeldt der Ball zwar versprungen, doch Lothar Zeh erkannte gedankenschnell seine Chance und traf mit sattem Schuss zum 1:0 (22.). Nun waren die Tasmanen am Drücker, bei denen Rosenfeldt allerdings nach einem Sturz mit einer Armverletzung fortan „nur halbe Kraft“ (Kicker) war. So kamen die Neunkircher zum Ausgleich: Volker Becker griff dabei buchstäblich in eine Kombination der Borussia im eigenen Strafraum ein und „unterbricht sie mit einem völlig unmotivierten Handspiel“ (Kicker), worauf Schiedsrichter Riegg auf den Punkt zeigte. Günter Kuntz, Vater des späteren Nationalspielers Stefan Kuntz, ließ Tasmania-Torwart Heinz Rohloff keine Chance – mit dem Unentschieden ging es in die Kabinen.

Versöhnlicher Abschluss

Spätestens im zweiten Durchgang konnten beide Teams ihre Platzierung in der Tabelle nicht mehr verleugnen: viele Fehlpässe und kaum Torgelegenheiten prägten das Spielgeschehen. Torschütze Zeh vergab die beste für die Neuköllner, als er in der 56. Minute freistehend vor dem gegnerischen Tor den Ball in die Wolken schoss. Auf der anderen Seite hatte Tasmania Glück, als ein Schuss von Melcher knapp am Tor von Rohloff vorbei ging. Schließlich fiel aber doch noch ein Tor – und zwar für die Hausherren. Wolfgang Neumann war es kurz vor Spielende vorbehalten, aus einer unübersichtlichen Situation heraus das 2:1 zu erzielen – Peehs hatte den Ball für SVB-Tormann Kirsch noch unhaltbar abgefälscht. Der erste Sieg Tasmanias seit neun Monaten – seit dem 2:0 über den Karlsruher SC am 1. Spieltag vor über 81.000 Zuschauern – war perfekt. Die Serie von 31 Bundesligapartien ohne Sieg ist bis heute Rekord – im Januar 2021 stand der FC Schalke 04 dabei kurz davor, diesen zumindest einzustellen. Doch nach 30 sieglosen Spielen (saisonübergreifend) gelang dank des Dreierpacks eines gewissen Matthew Hoppe der überraschende 4:0-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim – während die Königsblauen in den folgenden zwölf Spielen weiter nichts zu feiern hatten. Für die Neuköllner aber schloss sich der Kreis und es kam zumindest zu einem versöhnlichen Abschluss des „Abenteuers Bundesliga“ vor eigenem Publikum, das noch aus 2.000 Unentwegten bestand.

Auf Nimmerwiedersehen

„Wir hätten damals schon in Neunkirchen gewinnen müssen. Es war das Schlüsselspiel, das uns damals aussichtslos zurückwarf“, blickte Tas-Trainer Heinz-Ludwig Schmidt nach dem 2:1-Sieg noch einmal zurück. Die Borussia aus Neunkirchen verpasste durch die 1:2-Niederlage den „Matchball“ um den Klassenerhalt am letzten Spieltag im direkten Duell gegen den KSC und stand nun endgültig als zweiter Absteiger fest. Ein Jahr zuvor noch hatten sie Schicksal für Tasmania gespielt, als sie im entscheidenden Spiel in der Aufstiegsrunde den Neuköllnern den Platz im Oberhaus vor der Nase wegschnappten – nun traten sie beide gemeinsam wieder den Gang in ihre jeweilige Regionalliga an. In der höchsten deutschen Spielklasse sollte man beide Vereine nicht wiedersehen – Borussia Neunkirchen, das aktuell im dritten Insolvenzverfahren dieses Jahrtausends steckt, wird dabei zum Ende dieser Saison aus der sechstklassigen Saarlandliga absteigen.

1860 auf Meisterkurs

Im Meisterrennen landete der TSV 1860 München einen ‚Big Point‘: bei den bis dahin punktgleichen Dortmunder Borussen gelang ein 2:0-Erfolg, während Lokalrivale FC Bayern nach dem 1:4 zuhause gegen Köln keine Chance mehr auf den Titel hatte. Den „Löwen“ von Trainer Max Merkel reichte so am letzten Spieltag schon ein Remis gegen den HSV, um die Deutsche Meisterschaft nach Giesing zu holen.

Spieldaten

1. Bundesliga, Saison 1965/66, 33. Spieltag
Anstoß: Samstag, 21.05.1966, 16 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 2.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Karl Riegg (Augsburg)

Tasmania: Rohloff – H.-G. Becker, V. Becker – Meißel, Peschke, Konieczka – Neumann, Engler, Zeh, Szymaniak, Rosenfeldt. Trainer: Schmidt
Neunkirchen: Kirsch – Peehs, Schröder – Melcher, Peter, Schock – Utzig, Wingert, Görts, Kuntz, Heiden. Trainer: Buhtz

Tore: 1:0 Zeh (22.), 1:1 Kuntz (37., Handelfmeter), 2:1 Rosenfeldt (83.).

Tasmania nach dem 33. Spieltag: 2 Siege, 4 Unentschieden, 27 Niederlagen; 15:104 Tore, 8:58 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de.