Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 60 Jahren

30. April 2026

30. April 1966

SC Tasmania 1900 –

Eintracht Frankfurt 0:3 (0:1)

Am viertletzten Spieltag der Saison 1965/66 stand der Abstieg des Berliner Vertreters in der Bundesliga, des SC Tasmania 1900, längst fest. Zum Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt kamen „immerhin“ aber noch 4.000 Zuschauer ins Olympiastadion – zuvor bewegte sich die Zahl der Unentwegten eher knapp über der Tausender-Marke. Sportlich war die Eintracht dabei eher nicht so der Publikumsmagnet – als Tabellen-9. bewegten sie sich jenseits von Gut und Böse. Auf Seiten der Tasmanen dagegen sollen zu diesem Zeitpunkt etwa ein halbes Dutzend Spieler bereits ihren Abgang angekündigt haben.

Frankfurt eiskalt

Im Vergleich zur 0:4-Niederlage bei 1860 München änderte Trainer Heinz-Ludwig Schmidt die Startelf auf drei Positionen: im Mittelfeld waren Jürgen Wähling und Horst Szymaniak ebenso wie im Angriff Helmut Fiebach von Beginn an dabei. Dafür fehlten Jürgen Linder, „Wolla“ Rosenfeldt und Wulf-Ingo Usbeck, der bei den „Löwen“ frühzeitig verletzt ausgeschieden war. Die Neuköllner kamen zunächst nicht schlecht ins Spiel – immer wieder war Szymaniak Ausgangsposition viel versprechender Aktionen, die aber oft im Sande verliefen. Wolfgang Neumann vergab die einzige Chance auf das Führungstor, Frankfurt-Stürmer Huberts präsentierte sich dagegen an diesem Tag besonders treffsicher: nach einer guten halben Stunde brachte er die Eintracht in Führung, kurz nach dem Wechsel sorgte er mit seinem zweiten Treffer schon für so etwas wie eine Vorentscheidung. Dazu verschwand auch beim größten Optimisten in Reihen der Tasmania die Hoffnung, die Saison mit weniger als 100 Gegentreffern zu überstehen – schließlich war das 0:2 der 99. in dieser denkwürdigen Spielzeit.

Besondere Würdigung „zum Hundertsten“

Offenbar wollte Schiedsrichter Seekamp die Gastgeber dann auch nicht allzu sehr auf die Folter spannen – und zeigte nach einem Zweikampf im 16er der Tasmanen zwischen Hans-Günter Becker und Blusch zur Überraschung einiger Besucher – und laut „Kicker“ auch des Eintracht-Spielers – auf den Elfmeterpunkt. Grabowski ließ sich nicht zweimal bitten und vollstreckte zum 0:3. Auf der Tribüne sollen Zuschauer daraufhin eine goldumkränzte 100 in die Höhe gehalten haben – „an den Seiten des Kranzes baumelten freilich schwarze Trauerbänder“ (Kicker). Dazu soll Trainer Schmidt nach der Partie Glückwünsche zum „Jubiläum“ erhalten haben, frei nach dem Motto: „(Galgen-)Humor ist, wenn man trotzdem lacht“…

„Meine Mannschaft ist am Ende ihrer Substanz angekommen. Die Verletzungen Rosenfeldts und Usbecks schwächten den ohnehin nicht wuchtigen Sturm noch mehr“ Tasmania-Trainer Heinz-Ludwig Schmidt

Schalkes wichtiger Sieg

Borussia Neunkirchen, als Vorletzter immerhin noch mit Chancen auf den Klassenerhalt, konnte sich vom 1:0-Sieg gegen Braunschweig an diesem 31. Spieltag nur wenig kaufen, denn der FC Schalke 04 gewann seinerseits in Hannover und konnte drei Punkte Vorsprung zum Abstiegsplatz 17 wahren. Großer Sieger an der Tabellenspitze war dagegen Borussia Dortmund, das den 1. FC Köln mit 3:2 bezwang. Die bis dahin punktgleichen Münchner Teams -– 1860 beim 1:1 in Karlsruhe, der FC Bayern beim 0:1 gegen Stuttgart – ließen dagegen im Meisterrennen Federn.

Spieldaten:

1. Bundesliga, Saison 1965/66, 31. Spieltag
Anstoß: Samstag, 30.04.1966, 16 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 4.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Rolf Seekamp (Bremen)

Tasmania: Rohloff – H.-G. Becker, V. Becker – Meißel, Peschke, Konieczka – Engler, Wähling, Fiebach, Szymaniak, Neumann. Trainer: Schmidt
Frankfurt: Loy – Wirth, Lindner, Lutz, Blusch – Friedrich, Trimhold – Grabowski, Huberts, Lechner, Solz. Trainer: Schwartz
Tore: 0:1 Huberts (32.), 0:2 Huberts (53.), 0:3 Grabowski (71., Foulelfmeter)

Tasmania nach dem 31. Spieltag: 1 Sieg, 4 Unentschieden, 26 Niederlagen; 12:100 Tore, 6:56 Punkte

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, Kicker Online-Archiv, kicker.de.