Hannover 96 – SC Tasmania 1900 5:0 (3:0)
Tas beim zweifachen Deutschen Meister schon zur Pause geschlagen +++ Trainer hat eine Erklärung für den Kräfteeinbruch +++ Mannschaft lehnt Vorschlag der Vereinsführung ab +++ Anreise nach Hannover in Autos +++ Weiter 13 Punkte hinter den Nichtabstiegsplätzen
Nach der knappen Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg in der vorherigen Runde waren die Hoffnungen beim SC Tasmania 1900 auf den Klassenerhalt gleich Null. Bis zum Nichtabstiegsplatz, dem 16. Rang, bestanden ganze dreizehn Punkte Rückstand. Am 24. Spieltag stand nun der Trip zu Hannover 96 auf dem Spielplan – und den bestritten die Neuköllner aus Kostengründen per PKW. Am Spieltag startete die Mannschaft in sechs Autos aus Berlin, um angesichts des drohenden Abstiegs und rückläufiger Zuschauereinnahmen zu sparen. In der Woche vor der Partie hatten die Lizenzspieler Tasmanias dem Ansinnen der Klubführung eine Absage erteilt, „ihre Bezüge um 50 Prozent zu kürzen oder wenigstens zu stunden“ (Kicker). Der zweifache Deutsche Meister aus Niedersachsens Landeshauptstadt wiederum verkörperte als Tabellenelfter national zwar nur Mittelmaß, konnte aber im europäischen Messepokal – einer Art Vorläufer des UEFA-Cups bzw. der EuropaLeague – für Achtungszeichen sorgen. Der FC Porto wurde klar ausgeschaltet und gegen den FC Barcelona (2:1 und 0:1) erzwang man ein Entscheidungsspiel, in dem es – am Mittwoch vor dem Bundesligaspiel gegen Tasmania – im Niedersachsenstadion nach Verlängerung 1:1 stand. Die Hannoveraner zogen dann aber schließlich doch den Kürzeren – damals noch üblich: per Münzwurf!
96 macht kurzen Prozess
Wer nun darauf gebaut hatte, dass 96 diese Enttäuschung erst einmal verdauen müsste, sah sich allerdings getäuscht. Enttäuschend zeigten sich lediglich die Neuköllner, die den Rückstand im Klassement als schweren Rucksack mit sich herumzutragen schienen. Dazu musste die Mannschaft von Trainer Heinz-Ludwig Schmidt einmal mehr auf den ehemaligen Nationalspieler Horst Szymaniak verzichten. Nur Hans-Günter Becker und Bernd Meißel brachten so etwas wie Normalform auf den Platz – zu wenig, um konkurrenzfähig zu sein. Zur Pause stand es bereits 0:3 aus Sicht der Tasmanen: 96-Torjäger Rodekamp, Bandura und Siemensmeyer hatten für den Gastgeber getroffen.
Fünf Gegentore „nachträglich“
Nach einer Stunde Spielzeit hatte 96 dem bemitleidenswerten Tas-Keeper Klaus Basikow zwei weitere Treffer durch Bandura und Siemensmeyer eingeschenkt und ließ es in der Folge ruhiger angehen: 39:9 Torschüsse, 14:5 Ecken wies die für die Gäste deprimierende Statistik am Ende aus. Für Tas-Trainer Schmidt, der wenige Tage zuvor 46 Jahre alt geworden war, ein Geburtstagspräsent der etwas anderen Art. „Ich habe geahnt, daß (sic!) es nach unseren letzten starken Spielen zu einem Aufzehren der Kräfte kommen würde“, kommentierte der Übungsleiter im Anschluss die Leistung seiner Mannschaft.
Schwacher Trost
Mitabstiegskandidat Borussia Neunkirchen konnte dagegen immerhin ein Pünktchen in Kaiserslautern ergattern und lag nun zehn Zähler vor Tasmania auf dem vorletzten Platz. Die beiden punktgleichen Klubs auf den „rettenden Plätzen“ 15 und 16, der Karlsruher SC (0:3 in Nürnberg) und Schalke 04 (1:6 zuhause gegen den amtierenden Meister Werder Bremen) konnten zwar keinen Boden gut machen – 13 Punkte Rückstand für den SC Tasmania 1900 bei noch zehn ausstehenden Partien belegen allerdings die Aussichtslosigkeit der Neuköllner bei ihrer Mission Klassenerhalt. Da blieb die Tatsache, dass mit dem VfB Stuttgart auch ein „renommierter“ Verein bis dahin wie die Tasmanen nur einen Punkt in der Rückserie erzielen konnte, lediglich ein ganz schwacher Trost.
Spieldaten
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 24. Spieltag
Anstoß: Samstag, 05.03.1966, 16 Uhr
Stadion: Niedersachsenstadion, Hannover
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Ferdinand Biwersi (Bliesransbach)
Hannover 96: Podlasly – Steinwedel, Bohnsack – Bena, Laszig, Fuchs – Hoff, Gräber, Rodekamp, Siemensmeyer, Bandura. Trainer: Kronsbein
Tasmania: Basikow – Becker, Fiebach – Bruske, Meißel, Konieczka – Usbeck, Hänsler, Rosenfeldt, Engler, Sand. Trainer: Schmidt
Tore: 1:0 Rodekamp (14.), 2:0 Bandura (22.), 3:0 Siemensmeyer (25.), 4:0 Bandura (58.), 5:0 Siemensmeyer (60.)
Tasmania nach dem 24. Spieltag: 18. Platz, 4:44 Punkte, 10:76 Tore – 1 Sieg, 2 Unentschieden, 21 Niederlagen
Quelle: fussballdaten.de, kicker.de


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