Tasmania in der Bundesliga – heute vor 60 Jahren

29. Januar 2026

BORUSSIA DORTMUND –
SC TASMANIA 1900 3:1 (2:1)

Blitzstart des BVB +++ „Emma“ baut die Führung aus +++ Rosenfeldt verkürzt vor der Pause +++ Held macht Hoffnungen zunichte +++ Rückstand zum KSC wächst weiter

Die Ausgangssituation

Fürwahr eine undankbare Aufgabe für Tas am 20. Spieltag: die Borussia sollte schließlich in diesem Jahr noch als erster deutscher Verein überhaupt einen Europapokal (nämlich den der Pokalsieger) gewinnen – im legendären Finale von Glasgow wurde der FC Liverpool nach Verlängerung mit 2:1 bezwungen. Vier Dortmunder – Torwart Hans Tilkowski, Wolfgang Paul, Lothar Emmerich und Siegfried Held – gehörten außerdem zum WM-Kader der Nationalelf, die im noch legendäreren Finale von London 1966 gegen England den Titel knapp verpassen sollte. Auch in Deutschland gehörte der BVB zu den Topteams dieser Zeit: die erste Bundesligasaison 1963/64 schloss man – übrigens als letzter Meister nach dem alten Modus 1963 – auf Rang 4 ab, die folgende als Dritter – und Ende 1965/66 wurde man sogar Vizemeister mit drei Punkten Rückstand zum TSV 1860 München (zum nächsten Meistertitel sollte es aber erst 1995 reichen). Vor dem Heimspiel gegen Tas waren die Schwarz-Gelben noch Dritter, einen Zähler hinter den Löwen und punktgleich mit dem FC Bayern.

BVB-Blitzstart – Rosenfeldt verkürzt

So nahm das Unheil vor 15.000 Besuchern im Stadion „Rote Erde“ scheinbar schnell seinen Lauf: keine 120 Sekunden waren gespielt, da köpfte Wolfgang Sturm eine Flanke von „Siggi“ Held zur frühen BVB-Führung ein. Als „Emma“ dann in der 24. Minute das 2:0 nachlegte, schien die Vorentscheidung quasi schon gefallen. Doch die Hausherren ließen dieses Gefühl wohl etwas zu sehr auf sich einwirken – und kassierten vor der Pause noch den Anschlusstreffer. Tasmanias Peter Engler bediente Wolfgang Rosenfeldt, dessen Schuss Tilkowski im Dortmunder Tor passieren lassen musste – nur noch 2:1!

Hoffnung im Keim erstickt

Mit diesem Ergebnis gingen die Neuköllner auch in die Pause – und mit der vagen Hoffnung, dass man nacheinander beiden Borussias zumindest jeweils einen Punkt abknöpfen könnte. Allerdings erwies sich dies schnell als Illusion. Möglicherweise hatte BVB-Trainer Willi „Fischken“ Multhaup in der Kabine ein Donnerwetter abgelassen, vielleicht waren aber die Tas-Spieler auch noch mit den Gedanken in den Katakomben – jedenfalls trafen die Gastgeber bereits, bevor sich der Sekundenzeiger im zweiten Durchgang einmal komplett gedreht hatte. Diesmal war Held per Kopf zur Stelle, als Reinhard „Stan“ Libuda geflankt hatte – und Tasmanias Torwart Heinz Rohloff machtlos war. Dieses 3:1 sollte dann auch tatsächlich bereits die Vorentscheidung sein – bis zum Schluss änderte sich nichts mehr am Ergebnis.

Jetzt 10 Punkte zum „rettenden Ufer“

Mit der Konsequenz, dass die Berliner weiter an Boden verloren, denn der KSC konnte in Eichhörnchen-Manier auch in Gladbach (1:1) einen Punkt ergattern. Auf zehn Zähler belief sich also jetzt schon der Rückstand der Tasmanen zum Nichtabstiegsplatz, im 19. Spiel in Folge blieben die Neuköllner ohne Sieg . Da war die gleichzeitige Niederlage des Vorletzten Borussia Neunkirchen in Hamburg (0:3) nur ein schwacher Trost. Die Dortmunder ihrerseits schoben sich am FC Bayern vorbei auf den 2. Platz – weiterhin einen Punkt hinter Tabellenführer TSV 1860 München.

Spieldaten

Bundesliga 1965/66, 20. Spieltag
Anstoß: Samstag, 29.01.1966, 15:00
Stadion: Rote Erde, Dortmund
Zuschauer: 15.000
Schiedsrichter: Jan Redelfs (Hannover)

Dortmund: Tilkowski, Wosab, Redder, Kurrat, Paul, Groppe, Straschitz, Sturm, Libuda, Held, Emmerich. Trainer: Multhaup
Tasmania: Rohloff, H.-G. Becker, Fiebach, Wähling, Meißel, Konieczka, Engler, Szymaniak, Neumann, Rosenfeldt, Usbeck. Trainer: Schmidt
Tore: 1:0 Sturm (2.), 2:0 Emmerich (24.), 2:1 Rosenfeldt (38.), 3:1 Held (46.).

Tasmania nach dem 20. Spieltag: 18. Platz, 4:36 Punkte, 9:64 Tore – 1 Sieg, 2 Unentschieden, 17 Niederlagen

Quellen: fussballdaten.de, kicker.de