21.08.1965:
Borussia Mönchengladbach –
SC Tasmania 1900 5:0 (1:0)
Erster Dämpfer für den Außenseiter +++ Gladbach-Duo Heynckes/Netzer an allen Treffern beteiligt +++ Torwart Rohloff verhindert als Basikow-Ersatz sogar Schlimmeres +++ Tasmania nach dem 2. Spieltag Elfter der Bundesliga
Die Ausgangssituation
Das erste Auswärtsspiel der Bundesligasaiosn 1965/66 führte die Neuköllner zu Borussia Mönchengladbach. Die „Fohlen“ waren gerade gemeinsam mit dem FC Bayern München aufgestiegen und stellten den zweitjüngsten Kader im Oberhaus (23,79 Jahre) – mit Hans-Hubert „Berti“ Vogts, Günter Netzer oder Josef „Jupp“ Heynckes waren auch bereits Spieler vertreten, die später die goldene Ära der Borussia prägen sollten. Dennoch waren die Gladbacher zu dieser Zeit noch kein Topteam. Tas wiederum wies den höchsten Schnitt der Bundesliga in der Altersstatistik auf (26,98), was auch „Atze“ Beckers Einschätzung bestätigte, das Team habe seinen Zenit zum Zeitpunkt des Einstiegs in die Bundesliga bereits hinter sich gehabt. Vom Spiel auf dem Bökelberg behielt Tasmanias Kapitän dabei besonders in Erinnerung, mit welcher Intensität und welchem Tempo der Gegner schon vor dem Spiel beim Aufwärmen ans Werk gegangen war.
Tas-Defensive hält nur 40 Minuten
Das hohe Tempo hielt die Elf vom Niederrhein dann auch in den 90 Spielminuten aufrecht. Zwar attestierte der „Kicker“ den Berlinern sogar in körperlicher Hinsicht Vorteile – die Absicht, „mit Sicherheitstaktik einigermaßen davonzukommen“, sei jedoch fehl geschlagen. „Bei dauernder Feldüberlegenheit und starkem Druck Borussias hielt Tasmania nur eine Halbzeit stand“, der für den angeschlagenen Klaus Basikow zwischen die Pfosten gerückte Heinz „Jumbo“ Rohloff verhinderte sogar Schlimmeres. Dann aber, kurz vor der Pause, spielte Gladbach-Torwart Orzessek einen Abstoß zu Netzer, der mit einem seiner gefürchteten Pässe über 30 Meter Heynckes in Szene setzte. Der pfeilschnelle Angreifer zog davon, behielt dann vom Strafraumrand den Überblick und traf zum 1:0-Halbzeitstand.
Netzer & Heynckes sorgen für den K.O.
Nach der Pause war der Widerstand der Neuköllner dann gebrochen, als Heynckes drei Tasmanen stehn ließ und Rupp seine Vorarbeit nur noch einschieben musste. Wenig später war auch Netzer nicht von den Berlinern zu stoppen und traf aus 16 Metern rechts unten – 3:0. Dann war es wieder Heynckes, der eine gute Viertelstunde vor Ende eine Spielverlagerung Rupps zum 4:0 nutzen konnte – Netzer war dann in letzter Minute der Schlusspunkt per direkt verwandeltem Freistoß vorbehalten. „Wir waren klar besser, unserem Tempo fiel Tasmania zum Opfer“, beschrieb es der legendäre Gladbach-Trainer Hennes Weisweiler nach dem Spiel, seine Mannschaft hatte sogar noch dreimal Pfosten bzw. Latte getroffen. Franz Linken, Trainer der Berliner, gestand hingegen ein: „Auch eine komplette Tasmania hätte heute schlecht ausgesehen. Borussia kann alles, spielt perfekt modern. Wir müssen aus der Niederlage die Lehre ziehen: uns fehlt noch viel!“ Dass die erste Niederlage im zweiten Bundesligaspiel eine bis heute unübertroffene Serie von 31 Partien ohne Sieg einleiten sollte – das aber konnten sich die wackeren Neuköllner zu diesem Zeitpunkt sicher noch nicht vorstellen.
Spieldaten
1. Bundesliga, Saison 1965/66 – 2. Spieltag
Anstoß: Samstag, 21.08.1965, 16 Uhr
Stadion: Bökelbergstadion, Mönchengladbach
Zuschauer: 33.000
Schiedsrichter: Franz Wengenmeyer (München)
Gladbach: Orzessek – Raßmanns, Vogts – Lowin, Wittmann, Elfert – Laumen, Heynckes, Rupp, Netzer, Waddey. Trainer: Weisweiler
Tasmania: Rohloff – Fiebach, Talaszus – H.-G. Becker, Bäsler, Konieczka – Zeh, Engler, Bruske, Szymaniak, Usbeck. Trainer: Linken
Tasmania nach dem 2. Spieltag: 11. Platz, 2:2 Punkte, 2:5 Tore – 1 Sieg, 0 Unentschieden, 1 Niederlage
Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), kicker.de (Archiv).



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