Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 60 Jahren

15. Januar 2026

SC TASMANIA 1900 –
BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH 0:0

Neuköllner holen nach drei Monaten wieder einen Punkt +++ „Rekordkulisse“ bei Minusgraden im Olympiastadion +++ Trotzdem ein weiterer Punkt mehr Rückstand auf Platz 16

Minuskulisse für die Ewigkeit

Heute vor genau 55 Jahren – am 15. Januar 1966 – fand ein Spiel statt, das in die Bundesligageschichte einging. Bei praktisch irregulären Platzverhältnissen im Olympiastadion war das 0:0 der Tasmanen gegen Gladbach zwar alles andere als ein Genuss, in Erinnerung blieb die Partie jedoch wegen ihrer historisch niedrigen Besucherzahl. Ganze 827 Zuschauer wollten seinerzeit die Partie verfolgen, wo sich fünf Monate zuvor beim Saisonauftakt noch 81.524 Besucher gedrängt hatten. Diese Minuskulisse (bei unbeschränkt geöffneten Stadiontoren) bedeutet bis heute den Negativrekord der Bundesliga – und beinahe möchte man sagen: „natürlich“ war Tasmania daran beteiligt. Kapitän „Atze“ Becker sollte später in diesem Zusammenhang einmal gewohnt sarkastisch festhalten: „Wir können – bei den ganzen Rekorden, die wir haben – auch in Anspruch nehmen, dass wir die Erfinder der Geisterspiele waren. Da hat damals noch gar keiner dran gedacht.“ Dabei verlief das Spiel vergleichsweise erfolgreich: schließlich wurde nicht nur ein Punkt erkämpft (der erste seit dem 0:0 Mitte Oktober in Kaiserslautern), sondern auch keines der am Ende insgesamt 108 Gegentore kassiert.

Tas übersteht 15-minütige Unterzahl

Die Gäste um Netzer, Vogts oder Laumen (der vom berühmten Torlattenbruch – aber das ist wieder eine andere Geschichte…) waren zwar spielbestimmend, wurden aber immer wieder entweder von der gut organisierten Tasmania-Defensive oder den Schneemassen auf dem Feld ausgebremst. Oder, wie es „Conny“ Konieczka einmal rückblickend beschrieb: „Wir haben den Ball einfach im Schnee versteckt – da konnten die Gladbacher gar nicht spielen.“ Als nach der Pause der Neuköllner Ingo Usbeck eine Viertelstunde behandelt werden musste, war auch Glück mit im Spiel, als Rupp und Netzer jeweils nur das Gebälk des erneut von „Jumbo“ Rohloff gehüteten Tors trafen. Wieder vollzählig, kreuzte auch Tasmania noch das eine oder andere Mal vor dem Gehäuse des Tabellenzehnten auf, nutzte aber keine der Situationen zu einem Treffer.



„Atze“ Becker (Foto l.) und „Conny“ Konieczka zum Spiel vor 60 Jahren im Telefoninterview bei Berlinsport Aktuell von 2021 (TEIL 2 IM BEITRAG)


Rückstand wächst trotz Punktgewinn

Somit konnte zwar ein Punkt auf den Vorletzten Borussia Neunkirchen (zuhause 1:3 gegen Dortmund) gut gemacht werden – der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze vergrößerte sich allerdings um einen weiteren Zähler, da der Karlsruher SC zuhause Schalke mit 1:0 bezwang. Neun Punkte trennten das Schlusslicht Tasmania also vor der 20. Runde vom „rettenden Ufer“. An der Spitze nahmen sich die beiden Münchner Teams derweil eine Auszeit: Tabellenführer TSV 1860 (30 Punkte) kam zuhause gegen Nürnberg ebenso wenig über ein Unentschieden hinaus wie der FC Bayern (29 Punkte) bei Eintracht Frankfurt – wodurch die Dortmunder (s. oben) punktemäßig zu Platz 2 aufschließen konnten.

Spieldaten
1. Bundesliga Saison 1965/66 – 19. Spieltag
Anstoß: Samstag, 15.01.1966, 14.15 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 827
Schiedsrichter: Wolfgang Link (Kiel)

Tasmania: Rohloff, H.-G. Becker, Fiebach, Konieczka, Meißel, Wähling, Engler, Szymaniak, Neumann, Rosenfeldt, Usbeck. Trainer: Schmidt
Gladbach: Orzessek, Jansen, Vogts, W. Wimmer, Wittmann, Milder, Laumen, Netzer, Pöggeler, Rupp, Waddey. Trainer: Weisweiler

Tasmania nach dem 19. Spieltag: 18. Platz, 4:34 Punkte, 8:61 Tore – 1 Sieg, 2 Unentschieden, 16 Niederlagen

Quellen: kicker.de, fussballdaten.de, berlinsport-aktuell.de

Beitrag: SV Tasmania/Hagen Nickelé