08.01.1966:
Karlsruher SC –
SC Tasmania 1900 3:0 (3:0)
+++ Nächste Niederlage zum Jahresauftakt +++ KSC reichen 30 starke Minuten +++ Kapitän Becker wieder dabei +++ Schon acht Punkte Rückstand zum rettenden Ufer +++
Die Ausgangssituation
Mit dem Karlsruher SC verband man beim SC Tasmania 1900 natürlich gute Erinnerungen – schließlich hatten die Neuköllner zum Ligaauftakt vor 80.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 2:0 die Oberhand behalten. Allerdings sollte in der Hinrunde kein weiterer Sieg gelingen, sodass der Druck zum Jahresbeginn 1966, das Duell für sich zu entscheiden, gewaltiges Ausmaß angenommen hatte. Der KSC war dabei zwar zwei Jahre zuvor Gründungsmitglied der Bundesliga, konnte in der ersten Saison mit einem Punkt Vorsprung aber nur gerade so die Klasse sichern. In der Spielzeit 1964/65 stand dann der Abstieg als Tabellenvorletzter eigentlich fest, doch durch die Erweiterung der Bundesliga nicht zuletzt wegen der Aufnahme Tasmanias (s. Bericht vom Hinspiel) blieben die Badener trotzdem im Oberhaus. In der Folgesaison sollte es wieder eng für den KSC werden, der nach der Hinrunde als Vorletzter sechs Punkte vor Tasmania am Tabellenende stand – am Ende hielt man jedoch wieder knapp die Liga.
Gegentore im 10-Minuten-Takt
Trainer Heinz-Ludwig Schmidt änderte die Startelf gegenüber dem „Silvester-Spiel“ auf drei Positionen. So kam etwa im Tor einmal wieder Heinz Rohloff zum Einsatz und „Atze“ Becker war nach überstandener Erkältung mit von der Partie. Trotz ihrer jeweils vom Kicker mit „Gut“ bewerteten Leistungen konnten sie allerdings nicht verhindern, dass die Hausherren zunächst leichtes Spiel hatten. Mann der ersten halben Stunde war dabei KSC-Spieler Dobat, der erst Kentschke das 1:0 auflegte und dann selber zweimal erfolgreich war. Damit war auch die Maßnahme Schmidts nicht aufgegangen, es wie zuvor in der zweiten Halbzeit gegen Braunschweig zunächst mit einer 4-2-4-Formation zu versuchen.
Tas zu harmlos
Im Gefühl der sicheren Führung schaltete der KSC dann deutlich herunter – wie der Kicker anmerkte, verzeichnete Tas zwar durch Peter Engler und Ingo Usbeck die eine oder andere Chance, aber: „(…) bei der Schußarmut (sic!) der Berliner wäre ein Tor wirklich nur ein Zufallstreffer gewesen.“ Kein Wunder also, dass die Neuköllner auch das letzte der vier Schlüsselspiele zum Jahreswechsel verloren. Der Rückstand auf den KSC, der sich durch den Erfolg in der Tabelle an Borussia Neunkirchen vorbei auf den ersten Nichtabstiegsplatz schob, wuchs auf schon acht Punkte an – statt, im Fall eines Sieges, nur vier Zähler zu betragen.
Schmidt: „Decke einfach zu kurz“
KSC-Coach Roth war im Anschluss wenig überraschend nur mit der ersten halben Stunde seines Teams zufrieden und erklärte sich andererseits erleichtert, dass der Gästeangriff letztlich harmlos blieb. Heinz-Ludwig Schmidt hingegen, der sich nach dem schnellen 0:3 zu taktischen Maßnahmen genötigt sah, sagte nach der Partie: „Durch Umstellungen ließ sich eine Katastrophe verhindern, aber unsere spielerische ‚Decke‘ ist einfach zu kurz.“ Der Kicker urteilte wiederum über die gesamte Partie: „Das Ganze hatte mit Bundesliga herzlich wenig zu tun.“
Spieldaten
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 18. Spieltag
Anstoß: Samstag, 08.01.1966, 15 Uhr
Stadion: Wildparkstadion, Karlsruhe
Zuschauer: 25.000
Schiedsrichter: Gerd Hennig (Duisburg)
Karlsruhe: Paul – Wischnowsky, Madl – Marx, Rauh, Dobat – Berking, Dürrschnabel, Wild, Cieslarczyk, Kentschke. Trainer: Roth
Tasmania: Rohloff – Bäsler, Meißel – Finken, Becker, Engler – Szymaniak, Neumann, Zeh, Konieczka, Usbeck. Trainer: Schmidt
Tore: 1:0 Kentschke (7.), 2:0 Dobat (17.), 3:0 Dobat (27.)
Tasmania nach dem 18. Spieltag: 18. Platz, 3:33 Punkte, 8:61 Tore – 1 Sieg, 1 Unentschieden, 16 Niederlagen
Quelle: Fußball-Woche, fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), Kicker (kicker.de)



Kategorien