21.11.1965:
Eintracht Frankfurt –
SC Tasmania 1900 4:0 (1:0)
+++ 6. Niederlage in Folge, sieben Spiele ohne Torerfolg +++ Ausrutscher sorgen für erste Gegentore +++ Offensive bleibt das Sorgenkind +++ Ratlosigkeit immer größer +++
Die Ausgangssituation
Am 14. Spieltag mussten die Tasmanen bei der Frankfurter Eintracht antreten – die „Adler“ hatten dabei gerade ihre erste große Zeit hinter sich. Aber mit Loy, Höfer, Lutz und Lindner standen gegen die Neuköllner immerhin noch vier Spieler im Team, die der Eintracht 1959 den bisher einzigen Meistertitel bescherten (5:3 n.V. gegen Erzrivale Kicers Offenbach). Im Jahr darauf erreichten die Frankfurter dazu als erste deutsche Mannschaft das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister (Vorgänger der heutigen Champions League), unterlagen dabei aber als Außenseiter dem Starensemble von Real Madrid in einer legendären Partie mit 3:7. In der Gründungssaison der Bundesliga 1963/64 schloss man dazu auf Platz 3 punkt- und tordifferenzgleich mit Vizemeister MSV Duisburg ab, im Jahr darauf wurde man Achter. In die Saison 1965/66 starteten die Hessen durchschnittlich, vor dem Heimspiel gegen Tasmania aber hatte man sich mit einem 6:1-Erfolg in Neunkirchen schon mal „warmgeschossen“ und auf Platz 6 vorgeschoben – sodass es vor der Partie in der Frankfurter Presse nur um die Höhe des Sieges ging. Dabei wäre das Spiel beinahe ausgefallen, denn der in Regen übergehende Schneefall hatte dem Platz in Frankfurt arg zugesetzt. Kurzfristig aber riss die Wolkendecke doch noch auf, sodass sogar die Pfützen auf dem Rasen rechtzeitig abtrocknen konnten.
Rückstand nach Ausrutscher
Die Gastgeber hatten dabei in der Anfangsphase noch Mühe, ihren Rhythmus zu finden – das nutzten die Berliner zu dem einen oder anderen Vorstoß. Doch die Abschlüsse verfehlten ihr Ziel, am knappsten scheiterte noch Ingo Usbeck, dessen Kopfball neben das Eintracht-Tor ging. Dann aber kamen die Hausherren, die ein für die Zeit modernes 4-2-4-System praktizierten, immer mehr auf. Klaus Basikow konnte sich dabei einmal mehr auszeichnen, doch nach einer guten halben Stunde war der Tas-Schlussmann dann doch geschlagen. Nach einer Flanke in den Strafraum war der in der Defensive gebundene Herbert Finken ausgerutscht und Bechtold vollstreckte eiskalt – zu allem Überfluss war beim Rettungsversuch auch Eckhardt Peschke vom bisweilen rutschigen Geläuf zu Fall gebracht worden. Der „Lange“ hatte bei den Bodenverhältnissen ohnehin buchstäblich einen schweren Stand, schlug sich dafür aber wacker.
Tas nach der Pause chancenlos
Das 2:0 kurz nach Wiederanpfiff bedeutete dann den Anfang vom (erwartbaren) Ende – die Entstehung dürfte dabei noch einmal besonders demoralisierend gewirkt haben. Denn nach einem Pass in die Tiefe wollte Hans-Jürgen Bäsler den Ball unter Kontrolle bringen, rutschte dabei aber ebenfalls aus und diesmal schlug Lotz aus dem Lapsus Kapital. Danach ging nicht mehr viel zusammen, die „Fußball-Woche“ klagte dabei über die nicht mehr ligatauglichen älteren Spieler Tasmanias sowie eine erstaunliche Konditionsschwäche bei den jüngeren wie etwa Usbeck. Die Überlegenheit der Eintracht beschrieb die Fachzeitung als „fast schon peinlich“, obwohl die Frankfurter mit ihrer Chancenfülle beinahe fahrlässig umgingen. Basikow rettete dabei, was zu retten war – gegen Lotz‘ strammen Schuss unter die Latte ist er aber wieder machtlos. Am Ende wurde der Torwart dann doch noch düpiert, als der junge Grabowski ihm einen von Finken nach einem Ballverlust verursachten Freistoß fast von der Grundlinie ins Tor zirkelte. Dann war der Spuk vorbei und Tasmania konnte mit der sechsten Pleite in Serie die Heimreise antreten, obendrein hiellt auch die „Torlosserie“: sieben Spiele hatte man nun nicht mehr getroffen, übergreifend waren es sogar 713 Minuten – also fast 12 Stunden.
Analyse, Ratlosigkeit, Galgenhumor
Nach dem zweiten (verlorenen) Spiel unter seiner Leitung kündigte Heinz-Ludwig Schmidt Veränderungen an: „Es stecken einige alte Herren in unserer Mannschaft, für sie sind die Bundesligaspiele viel zu schwer“, fing Tasmanias Trainer seine Erklärung gegenüber der „FuWo“ an. „Ich habe mir nun zwei Begegnungen genau angesehen, es wird was unternommen werden, von dem man noch nicht weiß, ob es mehr Erfolg hat. So wie jetzt bleibt es jedenfalls nicht.“ Nationalspieler Horst Szymaniak stimmte nachdenklichere Töne an: „Ich weiß auch keinen Rat mehr. Da quält man sich, läuft, daß (sic!) einem fast die Lunge aus dem Halse herauskommt, und immer wieder alles umsonst.“ Auch Torwart Basikow („Es ist grausam, immer wieder so viele gegnerische Stürmer vor sich zu sehen“) äußerte sich eher verzweifelt, während Kapitän „Atze“ Becker klare Worte fand: „Mit einigen Spielern muß (sic!) reiner Tisch gemacht werden, auch was die Bezahlung anbetrifft. Es gibt bei uns Spieler, die sich danach reißen, nur Ersatzmann zu sein. Das ist so ungesund wie eine schwer schleichende Krankheit.“ Eckhardt Peschke übte sich dagegen in Galgenhumor: „Man bekommt ja Angst, den Ball nach vorn zu schlagen“, so „Tasmanias Situationskomiker Nr. 1“ (FuWo). Denn: „Der Ball kommt prompt immer wieder zurück.“ Der Mittelfeldspieler machte sich dabei auch Sorgen um die Kontrahenten: „Den Torhütern unserer kommenden Gegner werden wir einen Muff mitbringen! Sonst sind wir dafür verantwortlich, daß (sic!) die sich die Finger erfrieren.“ Als letzten Hoffnungsschimmer sahen Berliner Fußballfreunde die kommenden Partien: denn gegen Braunschweig (04.12.), Neunkirchen (11.12.), Schalke {18.12.) und den KSC (08.01.) sollte man es mit den vier Teams zu tun bekommen, die zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor Tasmania in der Tabelle standen. Allerdings sollten die Neuköllner zunächst erst mal ausgebremst werden – denn das Heimspiel gegen Braunschweig wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes im Olympiastadion abgesagt.
Spieldaten
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 14. Spieltag
Anstoß: Samstag, 27.11.1965, 15 Uhr
Stadion: Waldstadion, Frankfurt
Zuschauer: 8.000
Schiedsrichter: Walter Horstmann (Hildesheim)
Frankfurt: Loy – Blusch, Lindner, Lutz, Höfer – Lechner, Trimhold – Grabowski, Bechtold, Huberts, Lotz. Trainer: Schwartz
Tasmania: Basikow – Bäsler, Becker – Konieczka, Peschke, Szymaniak – Usbeck, Bruske, Finken, Fiebach, Sand. Trainer: Schmidt
Tore: 1:0 Bechtold (34.), 2:0 Lotz (51.), 3:0 Lotz (77.), 4:0 Grabowski (83.)
Tasmania nach dem 14. Spieltag: 18. Platz, 3:25 Punkte, 6:51 Tore – 1 Sieg, 1 Unentschieden, 11 Niederlagen
Quelle: Fußball-Woche, fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), kicker.de



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