20.11.1965:
SC Tasmania 1900 –
TSV 1860 München 0:5 (0:2)
+++ Auch mit neuem Trainer setzt sich die Niederlagenserie fort +++ „Timo“ Konietzka trifft doppelt vor der Pause +++ Eigentor von „Conny“ Konieczka sorgt für Auflösung in der Schlussphase +++ Torwart Basikow trotzdem bester Tasmane +++
Die Ausgangssituation
Mit dem TSV 1860 München gastierte der Tabellenführer im Olympiastadion – das allerdings aufgrund eines frühen Wintereinbruchs mit nur 10.000 Besuchern gefüllt war. Die „Löwen“ galten als Meisterschaftsfavorit, nachdem sie in den Vorsaisons die Plätze 7 und 4 belegt hatten. Allerdings hatten sie nach ihrem DFB-Pokalsieg 1964 auch das Endspiel des Europapokals der Pokalsieger im Folgejahr erreicht – hier mussten sich die Münchner jedoch vor beinahe 100.000 Zuschauern im Londoner Wembleystadion dem Favoriten West Ham United geschlagen geben (0:2). Seit 1961 war dabei der für seine markigen Sprüche bekannte Österreicher Max Merkel als Trainer der Giesinger tätig. Der SC Tasmania 1900 wiederum hatte sich in der Ligapause zu einem Trainerwechsel entschlossen: für den glücklosen Franz Linken (seit Juli 1964 im Amt) sollte nun Heinz-Ludwig Schmidt den Klassenerhalt in Angriff nehmen. Der 45-Jährige hatte Tas bereits von 1948 bis 1950 geleitet und dabei den Aufstieg in die Oberliga Berlin geschafft. Die Gäste aus München sollten sich allerdings als zu große Nummer für ein gelungenens Debüt erweisen.
„Timo“ trifft doppelt
Dabei hatte Schmidt die eine oder andere Änderung zu seinem Einstand probiert – so rückte „Atze“ Becker aus der Läuferreihe zurück und spielte linker Verteidiger. Auch Horst Szymaniak sah der neue Coach statt im Sturm eine Linie dahinter besser aufgehoben. So präsentierte sich der Angriff der Neuköllner im Vergleich zum Spiel zuvor in komplett neuer Besetzung. Doch der Favorit von der Isar glänzte von Beginn an mit blindem Verständnis und Tas – das laut „FuWo“ im „neuen, orange-blauen Dreß (sic!)“ auflief – war mit dem 0:2 zur Pause noch gut bedient. Beide Treffer hatte Friedhelm „Timo“ Konietzka erzielt – Nationalspieler wie seine vier Mitstreiter in vorderster Reihe bei den „Löwen“ und historischer Schütze des ersten Tors der Bundesligageschichte (damals noch für den BVB). Torwart Klaus Basikow verhinderte dabei noch Schlimmeres, was auch nach dem Wechsel galt – weshalb ihn die „FuWo“ anschließend zum besten Tasmanen kürte.
Kurzes Aufbäumen
Immerhin kamen die Neuköllner ungebrochen aus der Kabine und trauten sich mehr. Allerdings bekam 1860-Torwart Radenkovic – bekannt für seine damals ungewöhnlichen, ausgedehnten Ausflüge außerhalb des Strafraums – trotzdem nichts nennenswertes zu halten. Der Angriff der Berliner präsentierte sich auf dem schneebedeckten Boden schlicht überfordert, und der Individualist Ingo Usbeck erwischte dazu einen seiner schlechteren Tage. Die kurze Herrlichkeit endete dann mit einem Eigentor Konieczkas – die „FuWo“ hatte „Conny“ jedenfalls im Zweikampf mit Brunnenmeier als letzten am Ball gesehen (im Gegensatz zum „Kicker“). Und wie so oft gab es dann in der Schlussphase nach einem entscheidenden Gegentor noch zweimal „Nachschlag“ für die Tasmanen. Am Ende stand die elfte Saisonniederlage im dreizehnten Bundesligaspiel – und seit 623 Minuten war man nun auch schon ohne eigenen Torerfolg.
Schmidt und das Spiel ohne Ball
Tasmanias neuer Coach hatte bereits im Training das Kardinalproblem erkannt, an dem nun weiter zu arbeiten sei. „(…) was ich der Mannschaft beibringen muß (sic!), ist das gedankliche Mitwirken, das Spiel ohne Ball. Darin waren uns die Münchner überlegen (…)“, so Hans-Jürgen Schmidt. Und während der wackere Torwart Basikow auch noch prophetische Qualitäten bewies („Ich glaube, 1860 wird Deutscher Meister“), sprach aus Tas-Kapitän Becker nach dem Spiel die komplette Ernüchterung: „Wenn wir bloß mal ein Tor schießen könnten, aber dazu sind wir leider nicht fähig!“
Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 13. Spieltag
Anstoß: Samstag, 30.10.1965, 14.30 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 10.000
Schiedsrichter: Hans-Joachim Weyland (Oberhausen)
Tasmania: Basikow – Bäsler, Becker – Konieczka, Peschke, Szymaniak – Bruske, Fiebach, Usbeck, Finken, Sand. Trainer: Schmidt
TSV 1860 Radenkovic – Wagner, Patzke – Luttrop, Kohlars, Perusic – Konietzka, Grosser, Küppers, Brunnenmeier, Heiß. Trainer: Merkel
Tore: 0:1 Konietzka (18.), 0:2 Konietzka (35.), 0:3 Brunnenmeier* (73.), 0:4 Grosser (81.), 0:5 Heiß (85.)
*Quelle: kicker.de – die Fußball-Woche gab das 0:3 seinerzeit als Eigentor Konieczkas an
Tasmania nach dem 11. Spieltag: 18. Platz, 3:23 Punkte, 6:47 Tore – 1 Sieg, 1 Unentschieden, 11 Niederlagen
Quellen: fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), Kicker, Fußball-Woche



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