Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 60 Jahren

6. November 2025

06.11.1965:
Werder Bremen –
SC Tasmania 1900 5:0 (3:0)

+++ Werder behält im Nebel von Bremen den Durchblick +++ 3:0 nach 30 Minuten +++ Tas „ohne 3“ chancenlos +++ Offensive nicht bundesligatauglich +++ Tas auch im fünften Spiel in Serie ohne Torerfolg +++

Die Ausgangssituation

Am 12. Spieltag bekamen es die Tasmanen mit dem amtierenden Deutschen Meister zu tun. Zu diesem Zeitpunkt hatte der SV Werder jedoch bereits neben acht Siegen auch vier Niederlagen zu verzeichnen und lag auf Rang 5 – am Saisonende sollt es dann Platz 4 werden, obwohl der Punktschnitt im Vergleich zur Meistersaison (1,36 pro Partie) kaum schlechter ausfiel (1965/66: 1,32). Nur drei Tage nach dem Heimspiel gegen Tas stand bei den Bremern das Hinspiel im Achtelfinale des Europacups der Landesmeister (heutige Champions League) bei Jugoslawiens Titelträger Partizan Belgrad auf dem Programm, das letztlich zum Ausscheiden (0:3 / 1:0) führen sollte. Andere Sorgen plagten die Neuköllner: bei der Anreise am Vortag der Partie verzögerte sich der Abflug in Tempelhof wegen Nebels um zwei Stunden, dann erst konnte die Reise planmäßig mit Tankstopp in Hannover (Berlin-Hannover 39 Minuten, Hannover-Bremen 17 Minuten – laut FuWo) losgehen.

Basikow zurück im Tor

Erstmals seit dem 6. Spieltag (2:7 in Nürnberg) stand Klaus Basikow wieder im Kasten der Berliner, nachdem Heinz Rohloff seine Fehlerquote zwischen den Pfosten nicht in den Griff bekommen hatte. Der Nebel hatte dabei zum Anpfiff auch den Bremer Osterdeich erreicht, sodass Referee Riegg offiziell die Durchführbarkeit des Spiels feststellen musste. Die Zuschauer sollen dann relativ wenig vom Spielgeschehen mitbekommen haben, zumal sich die Sichtweite mit Fortdauer des Spiels eher noch verschlechterte – was die „Fußball-Woche“ veranlasste, von einem „‚Fußballspuk‘ im dichten Novembernebel“ zu schreiben. Tasmania hatte dabei gleich eine Riesenchance, doch Jagielski kratzte den Abschluss von Wolfgang Rosenfeldt noch von der Torlinie (7.) – der „FuWo“-Berichterstatter wies dabei darauf hin, dass der Ball auch dahinter gewesen sein könnte. All das jedoch geriet schnell in Vergessenheit, denn die Hausherren sorgten bald für klare Verhältnisse – bis zur 28. Minute hatten sie einen Drei-Tore-Vorsprung herausgeschossen, der ihnen im Hinblick auf das Europacupspiel gewährte, es danach ruhiger angehen zu können.

Entscheidung nach Wiederanpfiff

Die letzten Zweifel über den Ausgang der Partie beseitigte dann Ferner mit seinem Treffer zum 4:0 kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit. Tasmania blieb zwar bemüht, hatte als ohnehin sichtbar unterlegene Mannschaft auch noch die Ausfälle von Fiebach, Konieczka und Usbeck zu verkraften. So nahm die achte Saisonniederlage ihren Lauf, das fünfte Spiel in Serie ohne eigenen Torerfolg unterstrich einmal mehr die Offensivdefizite der Neuköllner. Die Fußball-Woche bezeichnete den Angriff nach dem Spiel in Bremen gar als „harmlos wie Gummitierchen in der Badewanne“. So blieb vom Trip an die Weser letztlich als positivstes in Erinnerung, dass man trotz des mittlerweile wegen Nebels geschlossenen Bremer Flughafens abends noch in Tempelhof landete. Die Verantwortlichen hatten vor Ort kurzerhand einen Bus aufgetrieben, der den Neuköllner Tross nach Hamburg brachte, wo tatsächlich gute Sicht herrschte und der Rückflug problemlos angetreten werden konnte.

Linken nimmt die Pleite hin

„Die Tasmanen sind zu bedauern, sie kamen überraschend in die Bundesliga, der Vorsprung der anderen ist zu groß“, zeigte Bremens Horst-Dieter Höttges nach Abpfiff sogar Verständnis für die schwache Darbietung des Gegners. „Durch den Nebel waren die Spielverhältnisse anormal“, haderte Tas-Trainer Franz Linken wiederum mit den schlechten Bedingungen. Andererseits wollte er sich aber auch nichts vormachen: „Wir hätten gegen den Deutschen Meister kaum besser ausgesehen, wenn klare Sicht geherrscht hätte.“ Tasmanias Schatzmeister wiederum ließ sich angesichts der immer misslicheren sportlichen Lage wie folgt zitieren: „Noch einmal möchte ich sagen, wie gern wir unseren Spielern eine Siegprämie auszahlen möchten. Schade, daß (sic!) dazu so wenig Gelegenheit ist.“ Statt in Ironie übte sich Tasmanias Vorsitzender Harry Michel nach der Partie verständlicherweise eher in Zuversicht: „Unsere Spieler haben jetzt 14 Tage Zeit, an sich zu arbeiten, es kommen noch schlechtere Gegner, vielleicht erleben wir dann bessere Tage.“ Ob Michel da schon wusste, dass diese ohne Trainer Linken erreicht werden sollten..?

Spieldaten

1. Bundesliga, Saison 1965/66, 12. Spieltag
Anstoß: Samstag, 06.11.1965, 15 Uhr
Stadion: Weserstadion, Bremen
Zuschauer: 15.000
Schiedsrichter: Karl Riegg (Augsburg)

Bremen: Bernard – Piontek, Höttges – Steinamnn, Jagielski, Lorenz – Zebrowski, Schütz, Matischak, Ferner, Podlich. Trainer: Brocker
Tasmania: Basikow – Bäsler, Talaszus – Finken, Peschke, Becker – Hänsler, Szymaniak, Zeh, Rosenfeldt, Neumann. Trainer: Linken

Tore: 1:0 Zebrowski (10.), 2:0 Lorenz (13.), 3:0 Matischak (28.), 4:0 Ferner (48.), 5:0 Matischak (88.)

Tasmania nach dem 12. Spieltag: 18. Platz, 3:21 Punkte, 6:42 Tore – 1 Sieg, 1 Unentschieden, 10 Niederlagen

Quelle: Fußball-Woche, fussballdaten.de, Bundesliga-Chronik (AGON-Sportverlag), kicker.de